
Audiodatei und Text
von Martina Holz
Kursleiterin für Waldbaden
„Achtsamkeit im Wald“

Waldbaden in Essingen
Hallo liebe Waldbesucher, liebe Waldbesucherinnen und herzlich Willkommen zum Waldbaden!
1.) Waldbaden auch Shinrin Yoku genannt, kommt aus Japan und bedeutet ‚in die Atmosphäre des Waldes eintauchen‘. Beim Waldbaden kommen wir in die Entschleunigung und nehmen den Wald mit allen Sinnen wahr. Die positive Wirkung auf unsere Gesundheit ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Dazu gehören unter anderem die Stärkung des Immunsystems durch die Duftstoffe des Waldes (Terpene), die Puls- und Blutdruckregulierung und die Steigerung der Energie. Durch dieses bewusste Naturerlebnis kannst du ein heilsames Wohlgefühl erfahren.
Ich lade dich zum Waldbaden ein, komm mit und nimm dir dafür mindestens eine Stunde Zeit.
Mache die folgenden Übungen langsam, in der Zeit, die du dafür benötigst.
Geh nun langsam und achtsam entlang der Eichertstraße bis zur Kreuzung mit dem Hinweisschild Falkensturz. Nimm unterwegs die verschiedenen Grüntöne wahr, die dir der Wald zu jeder Jahreszeit bietet. Gibt es farbige Blüten am Wegrand?
2.) An der Kreuzung angelangt, biegst du in Richtung Falkensturz ab. Auf dem Weg zum Falkensturz kommst du an verschiedenen Baumarten vorbei. Vergleiche ihre Rinde, ihre Wuchsart, ihre sichtbaren Wurzeln, ihre Blätter und Nadeln. Intensiver wird die Wahrnehmung durch das Befühlen der Rinde, der Blätter, des Baumes. Entdecke die Unterschiede der Baumarten und du wirst ins Staunen kommen. Du kannst dir auch einen Baum aussuchen, den du genauer betrachtest. Geh mit deinem Blick langsam von der Wurzel bis zur Krone, geh einmal um den Baum herum und betrachte ihn genau. Lass dir dabei Zeit. Fühle seine Rinde, lehne dich an seinen Stamm und genieße seine Ruhe und Kraft. Wenn du magst, kannst du den Baum auch umarmen, vielleicht kannst du seine Energie spüren.
Bleib am Baum stehen, wenn möglich schließe die Augen und konzentriere dich nun aufs Hören. Lausche was dir der Wald an Geräuschen schenkt. Kannst du auch Stille zwischen den Geräuschen wahrnehmen?
Kinder mit ihrer natürlichen Neugierde und ihrem Entdeckerdrang machen alle Übungen meist gerne mit. Achte bitte auf sie je näher du dem Falkensturz kommst. Wie sein Name schon sagt, besteht hier Absturzgefahr.
3.) Am Falkensturz angekommen, nimm Platz auf einer Bank und genieße diesen herrlichen Ausblick. Jetzt bietet sich die Übung Rundumblick an. Suche dir einen Platz zwischen den beiden Bänken, an dem du gut und sicher stehen kannst.
Schaue zuerst eine Weile Richtung Essingen, lass dir Zeit, nimm alles wahr was du siehst. Dann drehe dich langsam um 90 Grad nach rechts, bleibe wieder stehen und schau in diese Blickrichtung, was siehst du?
Drehe dich weitere dreimal nach rechts und blicke in die jeweilige Richtung bis du wieder am Ausgangspunkt angekommen bist.
Wenn du jetzt die Augen schließt, kannst du dir mit deinem inneren Blick aus der Erinnerung die vier Richtungen nochmals anschauen. Du wirst überrascht sein.
4.) Nun lade ich dich ein zur Atemübung kohärentes Atmen. Sie intensiviert die Aufnahme der Terpene, fördert einen ausgeglichenen Herzrhythmus und du kannst in die Entspannung und Ruhe kommen. Dazu kannst du stehen bleiben oder dich nochmals auf die Bank setzen.
Wenn du magst, schließe die Augen oder schau auf einen Punkt vor dir auf den Boden. Atme entspannt durch die Nase, in einem Rhythmus von 5 Sekunden ein, 5 Sekunden aus. Du kannst dabei jeweils langsam auf 5 zählen. Atme so einige Minuten, solange es dir angenehm ist. Nun spüre nach, was diese Übung in dir bewirkt hat.
Kohärentes Atmen ist eine einfache, wirksame Atemübung, die du jederzeit an einem beliebigen Platz im Wald oder in deinem Alltag durchführen kannst.
Du kannst gerne an diesem schönen Ort noch verweilen und die Ruhe genießen.
Auf dem Rückweg gehe langsam und bleibe dabei achtsam. Sei neugierig und staune, was es zu entdecken gibt: Verschiedene Moosarten, das Totholz voller Leben, was bewegt sich am Boden und vieles mehr.
Entspanne Dich !
‚Die Langsamkeit bietet die Chance, das, was wir tun, tiefer zu
erleben‘.
Martina Holz, August 2025